MARA verkauft Bitcoin im Wert von über 1 Mrd. US-Dollar für KI-Schwenk und hebt Margen der Miner
Der Strategiewechsel großer börsennotierter Bitcoin-Miner hin zu KI-Rechenzentren könnte nach Einschätzung von Analysten die Ertragslage jener Akteure verbessern, die im Mining-Geschäft bleiben. Zwar sinken dadurch Hashrate und die wahrgenommene Netzwerksicherheit, für Bitcoin sei die Verlagerung insgesamt aber weniger problematisch als befürchtet.
In dieser Woche veräußerte MARA 15.133 BTC im Wert von über 1 Mrd. US-Dollar und senkte damit die ausstehenden Schulden um 30%. Das Unternehmen kooperiert zudem mit Starwood beim Aufbau von KI-Datencentern. Auch andere Anbieter drehen am Geschäftsmodell: Bitdeer trennte sich vollständig von seinen Bitcoin-Beständen, Riot verkaufte einen Teil seiner Holdings zur Finanzierung von KI-Datenprojekten.
Analyst Billy Boone sieht die KI-Wette derzeit als attraktiver als klassisches BTC-Mining. Gleichzeitig entstehe für verbleibende Miner ein Margenvorteil: Wenn große Miner Kapital und Infrastruktur in Richtung KI umschichten, geht Hashrate vom Netz. Wird die Lücke nicht durch gleichwertige Hashrate geschlossen, sinkt die Difficulty. Niedrigere Difficulty bedeutet höhere Margen für alle Miner, die im Markt bleiben.
Zur Einordnung: Die Hashrate beschreibt die Rechenleistung, die für das Mining durch das Lösen mathematischer Aufgaben benötigt wird. Die Netzwerk-Difficulty ist ein sich selbst anpassender Parameter, der alle zwei Wochen neu justiert wird und festlegt, wie leicht oder schwer es ist, BTC zu minen. Beides gilt als zentral für die Sicherheit des Bitcoin-Netzwerks. Im aktuellen Marktzyklus ist das Wachstum der Netzwerk-Difficulty laut den zitierten Daten mit 75% so niedrig wie selten, da wesentliche Akteure in Richtung KI wechseln.
Für Solo- und mittelgroße Miner wird es damit vergleichsweise einfacher, neue Blöcke zu finden. Boone sieht zusätzlich eine mögliche Sondersituation, falls sich die Westasien-Krise bis April hinzieht. Bleibt die Straße von Hormus bis April geschlossen, könnten die Energiepreise steigen. Besonders betroffen wären ölabhängige Miner. Für kleine und mittelgroße Betreiber mit stabilen Stromabnahmeverträgen (PPA) wäre dies laut Boone die beste Ausgangslage seit dem China-Mining-Verbot 2021.
Bob Burnett, CEO von Barefoot Mining, stützt diese Sicht. Börsennotierte Miner hätten kleinere Anbieter verdrängt; mit deutlich weniger Hashrate unter Kontrolle der großen Player könne das Ökosystem wieder ausgewogener werden.
Zum Stress im Sektor: Der seit Ende November sichtbare "Miner Distress" ließ Anfang dieses Monats nach, wie der Hash Ribbon (schattierte Bereiche) zeigt. In der Folge habe der Verkaufsdruck der Miner abgenommen und die BTC-Preiserholung im März unterstützt. Fällt Bitcoin allerdings unter 65.000 US-Dollar, könnte es erneut zu Stress kommen, was bei weiteren Verkäufen der Miner den Kurs belasten würde.
Fazit: Analysten bewerten den teilweisen oder vollständigen KI-Schwenk großer öffentlicher Miner wie MARA als Schritt hin zu einer "besseren Balance" zugunsten von Solo- und mittelgroßen Minern. Der Stress im Mining-Sektor entspannte sich Anfang März, ein weiterer Preisrückgang könnte jedoch erneute Abverkäufe auslösen.