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Vitalik Buterin kündigt Machtverschiebung bei der Ethereum Foundation an – weniger ETH-Verkäufe
Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin hat eine strategische Neuausrichtung der Ethereum Foundation (EF) skizziert. Sein persönlicher Einfluss im Vorstand soll weiter zurückgehen, die Organisation will weniger ETH verkaufen und ihren Auftrag enger fassen. Buterin beschreibt die EF nicht als zentralen Taktgeber, sondern als einen Knoten in einem breiten Ökosystem. Präsidentin Aya Miyaguchi treibe den Übergang maßgeblich voran; in den kommenden Monaten solle sich die Lage stabilisieren.
Buterin zufolge entfernt sich die Foundation bereits seit Längerem von der Rolle eines zentralen Koordinators, die sich Teile der Community gewünscht hätten. Er führt die Entwicklung auch auf Kritik aus der Gemeinschaft zurück: Gegner hätten bemängelt, EF-Maßnahmen stünden nicht im Einklang mit den öffentlich vertretenen Idealen von Dezentralisierung und Privatsphäre.
Zur Größenordnung der EF verwies Buterin darauf, dass die Foundation rund 0,16% aller Ether halte – weniger als mehrere einzelne Großhalter. Bei konkurrierenden Chain-Foundations lägen die Bestände häufig bei 10% bis 50% des Angebots. Den ursprünglichen Auftrag aus dem Jahr 2014 sieht er als abgeschlossen: 2022 sei der grundlegende Aufbau der Chain mit Frontier, Homestead, Metropolis und Serenity vollendet worden.
Im Zuge der Neuaufstellung wird der Vorstand erweitert, um den Einfluss einzelner Mitglieder – auch Buterins – zu verwässern. Das knüpft an frühere Pläne zur Umstrukturierung der Führung an, mit dem Ziel, Entscheidungen zu verschlanken und Machtkonzentration zu reduzieren.
Mit der Neudefinition des Mandats richtet die EF ihren Fokus auf eine kleinere Prioritätenliste, die Buterin als "CROPS" bezeichnet: censorship resistance, openness, privacy und security (Zensurresistenz, Offenheit, Privatsphäre, Sicherheit). Ethereum solle nicht versuchen, High-Throughput-Blockchains allein über Geschwindigkeit zu schlagen, wo Wettbewerber bereits Vorteile hätten. Stattdessen wolle die Foundation technische Arbeit vorantreiben, die andere Netzwerke voraussichtlich nicht in gleicher Form angehen. Die Politik geringerer ETH-Verkäufe schaffe dafür Spielraum. "Heute entscheidet sich die EF, ihre verbleibenden Ressourcen auf Langlebigkeit statt Breite auszurichten (ja, das heißt, wir verkaufen weniger ETH)", schrieb Buterin.
Als konkrete Schwerpunkte nannte er unter anderem ein nachweislich fehlerfreies Ethereum, erreichbar durch KI-gestützte formale Verifikation. Ein weiterer Baustein sei "Lean Consensus", der Sicherheit auch unter asynchronen Netzwerkbedingungen und in Szenarien mit 49%-Angreifern gewährleisten soll. Drittens gehe es um die Minimierung von Intermediären durch Vorschläge wie FOCIL und EIP8141. Auf Wallet-Ebene zielten Projekte wie Kohaku darauf ab, die Abhängigkeit von Drittanbieter-Servern zu reduzieren. In dieselbe Richtung habe bereits früher im Jahr die Begründung für ETH-Verkäufe der EF gewiesen; zudem habe ein Staking-Programm für die Treasury die Abhängigkeit von direkten Verkäufen weiter gesenkt.
Durch die Verengung ihres Aufgabenspektrums rechnet die Foundation damit, dass externe Gruppen Arbeiten übernehmen, die nicht mehr priorisiert werden. Das betreffe auch Aktivitäten zur Unterstützung von ETH als Vermögenswert. ETH notierte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei 2.100 US-Dollar. Diese Themen gehörten nicht zu dem, was die EF künftig direkt finanzieren wolle.
Buterin ergänzte, dass fast 90% seines Nettovermögens in ETH liegen. Der Rest fließe in Open-Source-Initiativen aus Biotech sowie Software- und Hardware-Projekten. Die Foundation wolle Organisationen, die in freiwerdende Rollen hineinwachsen, zunächst unterstützen; Details zu konkreten Partnerschaften nannte er nicht.
Ein früher in diesem Jahr veröffentlichter Treasury-Bericht zeigte, dass 99,1% der EF-Reserven weiterhin in ETH gehalten werden. Der Übergang soll mehrere Monate dauern; danach soll sich das neue Mandat als langfristige Form der Foundation einpendeln. Im Mittelpunkt stehe dabei auch die breitere "Ethereum 2026"-Vision.