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US-Aktien geben nach: Treasury-Rückkäufe enttäuschen, Meta springt 6,5%
Die US-Börsen haben am Mittwoch den dritten Handelstag in Folge nachgegeben. Der Dow Jones verlor 0,77% auf 52.380,66 Punkte, der S&P 500 sank um 0,48% auf 7.636,36 Punkte, der Nasdaq gab 0,64% auf 26.253,34 Punkte nach. Der Volatilitätsindex VIX stieg auf 16,41 Punkte, ein Plus von rund 4,4%.
Belastet wurde der Markt vor allem durch zwei Themen: Brent-Öl kletterte über 101 US-Dollar je Barrel und schürte neue Inflationssorgen. Zudem fiel das Volumen des US-Finanzministeriums für den Rückkauf langlaufender Staatsanleihen mit 6 Mrd. US-Dollar geringer aus als erhofft. Stärke zeigten erneut die Bereiche Storage und optische Kommunikation. Meta legte nach dem Start des KI-Assistenten "Muse" um 6,55% zu. Apple stellte sein erstes faltbares iPhone "Duo" vor. Am Abend richten sich die Blicke auf die US-Erzeugerpreise (PPI) für August sowie die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank.
Treasury-Rückkäufe enttäuschen, Renditen auf Drei-Jahres-Hoch
Das US-Finanzministerium kündigte am Mittwoch an, am Donnerstag bis zu 6 Mrd. US-Dollar an Treasuries mit Laufzeiten von 10 bis 20 Jahren zurückzukaufen. Das ist fast das Dreifache des vorherigen Umfangs, lag laut einer Bloomberg-Umfrage am unteren Ende der Erwartungen: Einige Investoren hatten 7 bis 8 Mrd. US-Dollar erwartet. Die als zu klein wahrgenommene Maßnahme löste Verkäufe am Anleihemarkt aus.
Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe stieg um 4,84 Basispunkte auf 4,839% und markierte intraday 4,849% – den höchsten Stand seit November 2023. Die 2-jährige Rendite erhöhte sich um 2,54 Basispunkte auf 4,419% und erreichte ein 52-Wochen-Hoch. Die 30-jährige Rendite legte um 4,35 Basispunkte auf 5,291% zu. Steigende Renditen entlang der Kurve setzten vor allem hoch bewertete Anlageklassen unter Druck. Ziel der von Bessent ausgeweiteten Rückkäufe ist es, langfristige Zinsen zu dämpfen und Bewertungsdruck bei Tech-Titeln zu mindern. Dass das tatsächliche Volumen hinter den Markterwartungen zurückblieb, verstärkte die Sorge, das Finanzministerium habe nur "begrenzte Munition". Mittelfristig bleibt die Preisbildung langfristiger Zinsen von Inflationstrend und Anleiheangebot abhängig; Rückkäufe können vor allem kurzfristig Liquidität stützen.
Brent über 101 US-Dollar: Nahost-Risiken treiben Energiepreise
Ein weiterer Belastungsfaktor waren steigende geopolitische Risiken. Irans Islamische Revolutionsgarde meldete die Einrichtung einer neuen maritimen "Sanktionszone". US-Kräfte griffen einen iranischen Öltanker an, Iran attackierte US-Militärbasen. Die Eskalation trieb Brent-Futures um 3,36% auf 101,21 US-Dollar je Barrel – erstmals seit über einem Monat wieder über der Marke von 100 US-Dollar. WTI stieg um 3,25% auf 96,05 US-Dollar und erreichte den höchsten Stand seit Mai.
Im S&P 500 war Energie der einzige Sektor mit Kursplus (+1,09%). Industrie (-1,51%) und nicht-zyklischer Konsum? (Consumer Discretionary) (-1,39%) führten die Verlierer an. Donald Trump sagte nach Börsenschluss Medien zufolge, er rechne damit, dass der Konflikt mit Iran nach den US-Zwischenwahlen im November ende; die Ölpreise würden erst etwas später nachgeben.
Meta mit KI-Agent "Muse" stark, Storage und optische Kommunikation ziehen an
Trotz des schwachen Gesamtmarkts standen Technologiewerte überwiegend unter Druck: NVIDIA -0,91%, Apple -0,28%, Microsoft -0,47%, Amazon -1,78%, Google C -2,09%, Tesla -0,1%, Broadcom -1,13%. Meta war die Ausnahme und stieg um 6,55%, nachdem das Unternehmen am Vortag seinen persönlichen KI-Agenten "Muse" offiziell gestartet hatte. "Muse" soll Aufgaben selbstständig im Auftrag der Nutzer erledigen können, etwa E-Mails versenden oder Reisen buchen. Die zunehmende Kommerzialisierung von KI-Anwendungen findet damit auch an den Märkten mehr Anerkennung.
Deutlich gefragt waren zudem Storage- und Optical-Communication-Werte. SK Hynitz sprang um 7,05% auf ein neues Allzeithoch, Micron Technology gewann 2,75%, SanDisk 1,51%, Western Digital 1,04%. Im Bereich optische Kommunikation stiegen MaxLinear um 7,53%, Marvell Technology um 4,26% und Corning um 1,51%. Bei Halbleiterkomponenten überwogen die Gewinner (18 gestiegen, 12 gefallen); AMD legte 3,04% zu, Intel 1,69%, Qualcomm 1,33%. Die Stärke wird mit Produktentwicklungen unter anderem bei SK Hynix und dem anhaltenden Fokus auf KI-bedingte Nachfrage nach Speicherchips in Verbindung gebracht. Die auffällige Divergenz – Gesamtmarkt schwächer, Chipwerte relativ stark – hält damit seit drei Handelstagen an.
China-Aktien gerieten ebenfalls unter Druck: Der Nasdaq China Golden Dragon Index fiel um 2,09%. Li Auto verlor 4,41%, XPeng 3,29%, Alibaba 2,89%.
Apple stellt faltbares iPhone "Duo" vor – China-Preis ab 15.999 Yuan
Apple bringt mit dem iPhone "Duo" erstmals ein faltbares Flaggschiff-Smartphone auf den Markt. Aufgeklappt soll es das bislang dünnste iPhone sein, mit Dual-Kamera und einem 7,6-Zoll-Super-Retina-XDR-Display, das 50% größer ist als beim iPhone 18 Pro Max. Das Gerät unterstützt den Apple Pencil; die globalen Versionen setzen ausschließlich auf eSIM. Der Einstiegspreis liegt bei 1.999 US-Dollar, in Festlandchina ab 15.999 Yuan.
Mit dem Schritt betritt Apple offiziell den Foldable-Markt, der bislang stark von Samsung geprägt war. Der Markteintritt dürfte strukturelle Auswirkungen auf die globale Foldable-Lieferkette haben. Die Apple-Aktie gab am Tag dennoch leicht um 0,28% nach – der Markt wägt die langfristigen Effekte des neuen Produkts weiter ab.
Gold zurück über 4.400 US-Dollar, Kupfer in London und New York auf Rekord
Am Rohstoffmarkt legte Spot-Gold um 1,06% auf 4.401,77 US-Dollar je Unze zu und eroberte die Marke von 4.400 US-Dollar zurück. Spot-Silber stieg um rund 2,3%. Nach Daten des World Gold Council verzeichneten globale Gold-ETFs im August Zuflüsse von 18 Mrd. US-Dollar – der zweithöchste monatliche Zufluss der Historie.
Bei Industriemetallen erreichte Kupfer neue Rekorde: Londoner Kupfer schloss bei 14.728 US-Dollar je Tonne und stieg intraday bis 14.779 US-Dollar. In New York kletterte Kupfer bis auf 6,894 US-Dollar je Pfund – ebenfalls ein Allzeithoch. Als Treiber gelten Nachfrage durch den Ausbau von KI-Recheninfrastruktur und globale Investitionen in Stromnetze.
Bitcoin notierte bei rund 79.200 US-Dollar (+1% in den vergangenen 24 Stunden), Ethereum bei etwa 2.500 US-Dollar.
Termine im Fokus: US-PPI und EZB-Zinsentscheidung
Im Mittelpunkt steht am Abend der US-Erzeugerpreisindex (PPI) für August, als wichtiger Vorläufer für den CPI. Ein höher als erwarteter PPI könnte Sorgen vor weiteren Zinserhöhungen verstärken; ein schwächerer Wert würde Inflationsdruck eher dämpfen. Der Sprung der Ölpreise über 100 US-Dollar erhöht zuletzt den Aufwärtsdruck bei der Inflation.
Ebenfalls wichtig ist die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank. Am Markt wird eine Anhebung um 25 Basispunkte erwartet. In einem Umfeld zunehmend restriktiver Notenbanken dürfte der EZB-Pfad den Euro-Dollar-Kurs beeinflussen – mit Rückwirkungen auf US-Treasuries und US-Aktien.