vor 54 Min.
Bitcoin fällt 13%: Bärenmarkt bleibt intakt, Spot-ETFs wieder im Minus
Autor: Glassnode AididiaoJP, Foresight News
Bitcoin hat in den vergangenen sieben Tagen 13% verloren. Damit brach die Profitabilität im Netzwerk deutlich ein, realisierte Verluste zogen kräftig an. Im Spotmarkt übernahmen Verkäufer erneut die Kontrolle. US-Investoren in Spot-ETFs rutschten nach einem Abpraller nahe ihres durchschnittlichen Einstandsniveaus wieder in nicht realisierte Verluste. Am Optionsmarkt werden weiterhin erhöhte Risiken eingepreist.
Überblick
- Bitcoin fiel in sieben Tagen um 13% und kehrte in die Mitte der Spanne zwischen Realized Price und "True Market Mean" zurück.
- Die Kostenbasis der Short-Term Holder sank auf 76,4K US-Dollar und liegt erstmals seit Januar 2022 unter dem "True Market Mean". Das gilt als typisches Merkmal einer späten Bärenmarktphase.
- Der 7-Tage-Durchschnitt des Realized-P&L-Ratio fiel von 3,16 auf 0,29 und ähnelt damit der Panikphase im Februar. Der 90-Tage-Durchschnitt überschritt die Schwelle von 2 nicht, was den Anstieg bis 82K US-Dollar als Bärenmarktrally statt als strukturelle Wende einordnet.
- Die täglichen realisierten Verluste stiegen auf 1,35 Mrd. US-Dollar. Davon entfielen 770 Mio. US-Dollar auf Long-Term Holder, die an Zyklushochs verkauften. Die Umverteilung des Angebots beschleunigt sich, ist aber noch nicht abgeschlossen.
- Der Kurs scheiterte nahezu punktgenau an der aggregierten Kostenbasis der US-Spot-ETFs bei 83K US-Dollar. Damit liegen durchschnittliche ETF-Anleger wieder im Buchverlust; 83K gilt als zentrale Widerstandszone.
- Die Verkäuferdominanz im Spotmarkt nahm zu: Das 7-Tage-Spot-Volumen-Delta drehte deutlich ins Negative und erreichte den schwächsten Stand seit Februar.
- Implizite Volatilität komprimiert weiter, zugleich steigt die Volatilitätsrisikoprämie. Der Optionsmarkt preist mehr künftige Schwankung ein als die zuletzt realisierte Volatilität nahelegt.
- Skew bleibt im Bereich erhöhter Put-Prämien. Die jüngsten Verkäufe lösten keinen klaren Sprung in der Nachfrage nach Downside-Hedges aus.
- Market-Maker-Positionierung konzentriert sich nahe dem Spotpreis; Bitcoin befindet sich in der Zone maximal negativer Gamma, Kapitalflüsse begünstigen Absicherungsnachfrage.
Makro: Rückenwind dreht zu Gegenwind
Die US-Stellenangebote stiegen im April auf 7,62 Mio. und lagen damit rund 750.000 über den Markterwartungen, der höchste Wert seit fast zwei Jahren. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen kletterte wieder über 4,45%. Der Markt preist eine Wahrscheinlichkeit von über 50% für eine Fed-Zinserhöhung bis Jahresende ein; Zinssenkungen werden für das laufende Jahr nicht erwartet. Der US-Dollar-Index behauptete sich über 99, was auf leicht straffere Finanzierungsbedingungen hindeutet.
Bitcoin reagierte stärker als andere Risikoanlagen: Der Kurs fiel in den Bereich um 67.000 US-Dollar. US-Spot-ETFs verzeichneten drei Wochen in Folge Abflüsse von insgesamt 4,21 Mrd. US-Dollar, die größte institutionelle Rückgabewelle seit 2026. Laut Einschätzung reduziert der institutionelle Markt Risiko bereits vor Kursrückgängen, nicht erst danach. Die US-Arbeitsmarktdaten (Nonfarm Payrolls) am Freitag gelten als nächster Prüfstein: Starke Daten könnten den Verteilungsdruck aufrechterhalten, schwache Daten würden Raum für eine erste Entspannung schaffen.
On-Chain: zurück in der Bärenmarktzone
Die makrogetriebenen Belastungen spiegeln sich in einer deutlichen Verschlechterung der On-Chain-Kennzahlen. Der Rückgang um 13% zog den Kurs vom "True Market Mean" bei 77,8K US-Dollar nach unten. Diese Größe bildet die Kostenbasis aktiv gehandelter Bestände ab und diente historisch als Trennlinie zwischen Bullen- und Bärenmarkt. Bei etwa 67K US-Dollar liegt Bitcoin mittig in dieser Zone. Dass der Markt das Niveau um 77,8K nicht verteidigen konnte, stützt die Bärenmarkt-These.
Auffällig ist die Short-Term-Holder-Kostenbasis: Sie fiel auf 76,4K US-Dollar und liegt damit unter dem "True Market Mean", zuletzt im Januar 2022 beobachtet. Das deutet darauf hin, dass neue Käufer unter wichtigen Bewertungsniveaus akkumulieren. In späten Bärenmarktphasen steigt damit historisch die Wahrscheinlichkeit struktureller Brüche oder größerer Kapitulationen.
Die Profitabilität kollabierte entsprechend. Der 7-Tage-Durchschnitt des realisierten Gewinn/Verlust-Verhältnisses sank auf 0,29, realisierte Verluste dominieren damit das Ausgabeverhalten. Am 7. Mai lag derselbe Wert bei 3,16, als der Markt im Zuge der Rally bis 82K US-Dollar Gewinne realisierte. Der 90-Tage-Durchschnitt blieb jedoch unter 2, einem Niveau, das typischerweise für echte Bullenmarkt-Kapitalflüsse steht. Die Diskrepanz spricht für fehlende strukturelle Überzeugung und eher für ein lokales Top im Bärenmarkt.
Neue Käufer unter Druck
Der Rücksetzer brachte jüngst akkumuliertes Angebot in die Verlustzone. Laut Verteilung der Short-Term-Holder-Kostenbasis nähert sich der Kurs mit 67K US-Dollar der unteren Kante des seit Februar aufgebauten Angebotsclusters. Viele Short-Term Holder sehen Gewinne zusammenschmelzen oder ins Minus drehen. Besonders unter Druck stehen Positionen aus dem Bereich 78K–82K US-Dollar. Ob diese Gruppe hält oder verkauft, dürfte über die Tragfähigkeit des aktuellen Preisniveaus entscheiden.
Realisierte Verluste steigen in allen Gruppen
Mit der Rückkehr ans untere Ende der Dreimonatsspanne weitete sich der Druck von der jüngsten Angebotsbasis auf breitere Bestände aus. Die täglichen realisierten Verluste stiegen auf 1,35 Mrd. US-Dollar. Rund 770 Mio. US-Dollar pro Tag entfallen auf Long-Term Holder, die vor Januar 2026 gekauft hatten. Der Rest stammt von Käufern aus 2026, die zwischen 67K und 82K US-Dollar akkumulierten und nun unter Einstand aussteigen. Dieses Muster – Verlustverkäufe älterer Bestände und Übergang des Angebots an neue Käufer zu niedrigeren Preisen – ist typisch für Bodenbildungsprozesse. Die aktuelle Geschwindigkeit legt nahe, dass die Bereinigung noch nicht abgeschlossen ist.
Off-Chain: ETF-Kostenbasis wird zum Deckel
Der jüngste Erholungsversuch scheiterte nahe der aggregierten US-Spot-ETF-Kostenbasis bei 83K US-Dollar. Ein zuvor stützendes Niveau wird damit als Widerstand bestätigt. Das spricht dafür, dass ein Teil der ETF-Anleger die Rally zur Positionsreduktion oder zum Ausstieg auf Einstand nutzte. Da ETF-Zuflüsse in diesem Zyklus eine zentrale Nachfragequelle waren, ist das Signal relevant: Gelingt es dem Kurs nicht, die durchschnittliche Kostenbasis zurückzuerobern, überwiegt Angebot aus "unter Wasser" liegenden Beständen die neue Nachfrage.
Die ETF-Kostenbasis bleibt ein Schlüssellevel. Ein klarer Durchbruch über 83K US-Dollar würde die durchschnittliche ETF-Position wieder in den Gewinn bringen und könnte die Stimmung stabilisieren. Solange das ausbleibt, bleibt ETF-Positionierung ein Belastungsfaktor: Risikoabbau bei Stärke statt Aufbau.
Spot-Nachfrage bricht weg
Die Finanzierung über den Kassamarkt hat sich in den vergangenen zwei Wochen deutlich verschlechtert. Das 7-Tage-Spot-Volumen-Delta rutschte ins Negative und markierte den schwächsten Stand seit dem Abverkauf im Februar. Aggressive Verkäufer dominieren damit erneut das Orderbuch.
Das ist auch deshalb auffällig, weil April und Anfang Mai von spotgetriebener Akkumulation geprägt waren: Käufer absorbierten Verkaufsdruck, das Volumen-Delta war positiv, Bitcoin stieg von Mitte 60.000 bis 80K US-Dollar. Diese Nachfragewelle ist versiegt, Verkäufer haben die Kontrolle zurückgewonnen. Anhaltend negatives Volumen-Delta geht häufig mit Kapitulation oder dem Beginn eines größeren Trendwechsels einher. Aktuell spricht das Bild für eine Verteilungsphase, in der Rallys zum Verkauf genutzt werden. Eine deutliche Erholung der Spot-Nachfrage bleibt ein zentrales Signal für eine nachhaltige Stabilisierung.
Futures: große Long-Liquidationen
Die Korrektur löste eines der größten Liquidationsereignisse des Zyklus aus: Über 400 Mio. US-Dollar an gehebelten Long-Positionen wurden geschlossen, als Bitcoin unter 70.000 US-Dollar fiel. Solche Ereignisse reduzieren Überhebelung und setzen Positionierungen zurück. Im Vergleich zu den Korrekturen im Oktober 2025 und Februar 2026 blieb das Ausmaß jedoch geringer, was auf moderatere Hebelung vor dem Rückgang hindeutet. Entscheidend bleibt, ob Spot-Käufer die frei werdende Angebotsmenge aufnehmen können.
Optionen: Volatilität komprimiert, Risikoprämie steigt
Trotz der starken Spotbewegung bleibt der dominante Trend eine Kompression der impliziten Volatilität über die gesamte Laufzeitenstruktur. Die einmonatige implizite Volatilität sank von etwa 38% auf 34%. Drei- und sechsmonatige Laufzeiten gingen in den vergangenen zwei Wochen jeweils um rund drei Volatilitätspunkte zurück. Die Struktur bleibt im Contango, Forward-Volatilitäten handeln weiterhin über den kurzfristigen Niveaus. Das signalisiert, dass die Schwäche eher als lokales Ereignis und nicht als Auslöser für eine breitere Neubewertung der Volatilität gesehen wird.
Gleichzeitig weitete sich die Volatilitätsrisikoprämie aus: Der Markt preist höhere künftige Schwankungen ein, als die zuletzt realisierte Volatilität zeigt. Die einmonatige implizite Volatilität liegt bei etwa 42%, die realisierte Volatilität bei rund 32%. Skew bleibt im Bereich teurerer Puts, also erhöhter Absicherungskosten nach unten.
Fazit
Der jüngste Rückgang stärkt die Einschätzung eines fragilen Marktumfelds. Schwächesignale zeigen sich in der On-Chain-Profitabilität, im Verhalten von Anlegergruppen, in ETF-Positionierungen und in der Spot-Nachfrage. Die ETF-Kostenbasis bei 83K US-Dollar wirkt als Widerstand und verstärkt den Verkaufsdruck, realisierte Verluste ziehen an, Long-Term Holder verkaufen in größerem Umfang. Zwar haben Liquidationen Hebel aus dem System genommen, ein klarer, nachhaltiger Nachfrageschub im Spotmarkt ist bislang nicht erkennbar. Der Optionsmarkt signalisiert weiterhin Nachfrage nach Downside-Schutz und höherer künftiger Volatilität, ohne ausgeprägte Panik. Solange Spot-Nachfrage nicht zurückkehrt, ETF-Anleger nicht wieder in die Gewinnzone kommen und der Verkaufsdruck nicht nachlässt, bleibt das Risiko weiterer Abgaben innerhalb einer übergeordnet bärischen Struktur erhöht.