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US-Gesetzentwurf CLARITY soll "digitale Rohstoffe" erstmals im Bundesrecht definieren
Nach einem Bericht von CoinDesk geht die US-Debatte über die Einordnung von Krypto-Assets als Wertpapiere oder Rohstoffe in eine konkretere gesetzgeberische Phase. Der Gesetzentwurf CLARITY Act zielt darauf ab, den Begriff "digital commodity" ("digitaler Rohstoff") offiziell im US-Bundesrecht zu verankern und Kriterien festzuschreiben, nach denen bestimmte Token von der Wertpapier- in die Rohstoffkategorie wechseln können. Das hätte unmittelbare Folgen für Listing-Entscheidungen von Börsen, ETF-Produktentwicklungen, institutionelle Verwahr- und Haltestrukturen sowie die Abgrenzung der Aufsichtszuständigkeiten.
Im Kern gilt ein Token demnach als "digitaler Rohstoff", wenn sein Wert vor allem aus dem Betrieb des Blockchain-Netzwerks selbst und aus Angebot und Nachfrage am Markt entsteht, nicht aus unternehmerischen Zusagen eines Unternehmens oder Teams. Hängt der Preis wesentlich davon ab, dass eine zentrale Stelle fortlaufend ein Geschäft vorantreibt, Erträge erzielt oder Versprechen erfüllt, spricht das eher für eine Wertpapierqualifikation. Bestimmt sich der Wert primär durch Netzwerkfunktion, Nutzungsszenarien und die Liquidität bzw. Knappheit im Umlauf, nähert sich die Einordnung einem Rohstoff an. In den regulatorischen Leitlinien wird zudem hervorgehoben, dass digitale Rohstoffe typischerweise keine Ansprüche auf Gewinne, Umsätze oder Vermögenswerte eines Unternehmens vermitteln und nicht vorrangig auf passives Einkommen ausgelegt sind – ein zentraler Unterschied zu klassischen Wertpapieren wie Aktien und Anleihen.
Der Bericht verweist darauf, dass die US Securities and Exchange Commission (SEC) und die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) im März 2026 gemeinsam 16 große Token interpretativ als "digitale Rohstoffe" eingestuft haben, darunter Bitcoin, Ethereum, XRP und Solana. Diese Einordnung habe die langjährige Unsicherheit über den regulatorischen Status der betreffenden Assets vorübergehend entschärft. Genannt werden unter anderem BTC, ETH, XRP und SOL. Grundlage sei bislang jedoch eine Auslegung der Aufseher, nicht ein Gesetz – und damit prinzipiell änderbar, falls sich künftige Leitlinien verschieben.
Genau hier setzt der CLARITY Act an: Er soll feste Kriterien für die Klassifizierung und klare Zuständigkeiten in der Aufsicht schaffen, indem die Kategorie gesetzlich kodifiziert wird. Nach Einschätzung des Artikels würden sich die schnellsten Auswirkungen auf Produkte und Marktzugang zeigen. Werden Token als Rohstoffe qualifiziert, wären Emission, Handel und Halten in der Regel nicht mehr an die strengeren Registrierungs- und laufenden Offenlegungspflichten des Wertpapierrechts gebunden; die Hürden für Listings auf Handelsplattformen würden sinken. Das würde auch die Entwicklung von Finanzprodukten auf diese Assets erleichtern, insbesondere börsengehandelte Produkte wie ETFs. Für institutionelle Investoren könnten Compliance-Anforderungen rund um Halterichtlinien, Verwahrung und interne Risikoanalysen einfacher umsetzbar werden.
Ein weiteres Element ist ein "Reife-Test" ("maturity test") für Token. Demnach könnten bestimmte Token anfangs noch wertpapiernäher wirken, später aber mit zunehmender Dezentralisierung und ausgereifter Funktionalität als digitale Rohstoffe neu eingestuft werden. Die USA würden damit eine dynamische Klassifizierung anstreben, statt Token zum Zeitpunkt ihrer Entstehung dauerhaft festzuschreiben. Aus Branchensicht adressiert dies einen alten Konflikt: Viele Projekte sind in der Startphase stark auf Teamleistung angewiesen, während die Werttreiber mit wachsender Netzreife weniger von einer einzelnen Instanz abhängen.
Insgesamt zielt der Gesetzentwurf darauf, die zentrale Trennlinie der US-Kryptoregulierung zu schärfen: Sind Token Wertpapiere oder Rohstoffe? Die Antwort ist nicht nur juristisch relevant – sie bestimmt, wer beaufsichtigt, welche Produkte der Markt entwickeln kann und in welchem Umfang institutionelles Kapital in den Sektor gelangen kann.